Hitzewelle im Zaubergärtli
- baloulaleica

- vor 3 Stunden
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Wenn die Garten-WG ächzt und was ich dagegen mache
Draussen flimmert die Luft. Der Boden ist hart, die Blätter hängen schlaff wie nasse Wäsche ohne Wind und selbst die sonst so aktive Amsel auf dem Kompost macht heute lieber Siesta im Schatten der alten Linde. Willkommen in der Hitzewelle.
Ich stehe morgens im Garten und schaue mich um – irgendwo zwischen Mitgefühl, Bewunderung und dem Impuls, sofort alle Schläuche auszurollen und aus vollen Kannen zu giessen - vor allem weil die meisten Pflanzen erst zwischen 4 Tagen bis 6 Monate im Boden sind.. Aber was passiert eigentlich gerade – und wo macht es Sinn, dass ich bei der Hitze nicht (über-)reagiere?
Was Hitze mit dem Garten macht
Also ich weiss, wer mit der Hitze gar nicht klarkommt. Ich! Von dem her gesehen bin ich wohl ein ziemliches "Nordlicht". Alles über 20°C ist für mich und meinen Körper schon mühsam. Wenn das Ganze auf über 25°C steigt bin ich schon raus. Dann beginnt bei mir der Kampf gegen die Dehydrierung und den Drang es mir im Kühlschrank bequem zu machen. Aber bei dem Post geht es nicht um mich. Also zurück zur Garten-WG und was diese bei der Hitze an Kniffs auf Lager hat.
Extreme Wärme ist für viele Lebewesen Stress. Aber Stress ist nicht gleich Untergang. Die Natur hat im Laufe von Millionen Jahren raffinierte Tricks entwickelt, um Hitzephasen zu überstehen. Manche Pflanzen und Tiere sind regelrechte Hitzeprofis – vorausgesetzt, wir lassen sie in Ruhe und verstehen, was sie gerade brauchen.
Hitze entzieht dem Boden Feuchtigkeit. Pflanzen geben Wasser über ihre Blätter an die Luft ab – das nennt sich Transpiration – und in der Hitze läuft dieser Prozess auf Hochtouren. Wenn die Wurzeln nicht schnell genug nachliefern können, hängen die Blätter. Das ist zuerst kein Notfall, sondern eine Schutzreaktion: Die Pflanze reduziert ihre "Verdampfungsfläche", indem sie Blätter einrollt oder hängen lässt. Clever!
Die Garten-WG in der Hitze - wer kämpft, schläft und hat's drauf?
Pflanzen - Überlebenskünstler mit Tricks

Lavendel, Salbei, Thymian und Co. sind echte Hitzekönige. Ihre silbrigen oder behaarten Blätter reflektieren das Sonnenlicht, ihre kleinen ledrigen Blätter verdunsten weniger Wasser. Ausserdem duften sie in der Hitze intensiver – die ätherischen Öle schützen sie vor Austrocknung und Frasspilzen. Wer an einem heissen Tag im Kräuterbeet sitzt, kann die Überlebensstrategie regelrecht riechen.
Stauden mit tiefen Wurzeln zapfen Wasserreserven tief im Boden an, die Flachwurzler nie erreichen würden. Sie schauen oft noch erstaunlich fit aus, wenn die Nachbarn schon schlapp machen.
Gurken, Kürbisse und Zucchini hingegen hängen beinahe täglich. Morgens wieder frisch, mittags am Boden, abends erholt – solange sie regelmässig Wasser bekommen. Das sieht dramatischer aus, als es ist.
Neu eingepflanzte Pflanzen, Töpfe und Kübel, Sämlinge und Beetpflanzen auf Sandböden brauchen jetzt aktiv unsere Hilfe. Ihr Wurzelsystem ist noch nicht tief genug, um sich selbst zu retten.

Was hilft
Morgens früh giessen – wurzelnah, tief, nicht oft. Wasser soll tief in den Boden und zu den Wurzeln, nicht nur die Oberfläche benetzen.
Mulchen – eine Schicht aus Grasschnitt, Stroh oder Rindenmulch hält die Feuchtigkeit im Boden und schützt die Bodenlebewesen.
Töpfe in den Halbschatten stellen, wenn möglich. Bei der Topfwahl bedenken, dass sich dunkle Kunststofftöpfe aufheizen und damit die Wurzeln regelrecht garen. Helle Töpfe oder – noch besser – Terrakotta und Keramik regulieren die Temperatur von Natur aus, weil das Material atmet und durch minimale Verdunstung an der Aussenwand kühlt.
Mittags nicht Giessen – die pralle Sonne in Kombination mit Wassertropfen tut empfindlichen Blätter nicht gut (Verbrennungsgefahr durch Linseneffekt).
Und wer es noch cleverer mag: Ollas. Das sind Tontöpfe, die man direkt im (Hoch-)Beet vergräbt – ich habe einige davon verbuddelt und sie sind bei Hitzewellen schlicht eine grosse Hilfe. Das Wasser sickert langsam und gleichmässig durch die porösen Tonwände direkt zu den Wurzeln, genau dort, wo die Pflanze es braucht. Kein Verdunsten an der Oberfläche, keine verschwendeten Tropfen, kein tägliches Schleppen der Giesskanne. Die Ollas einfach auffüllen – fertig. Das Prinzip ist übrigens uralt und nachhaltiger geht's kaum. Ich hab mit Ollas in Töpfen (Gurkenturm) und Hochbeeten begonnen. Nun buddle ich die auch auf dem entstehenden Gartenteil auf dem Garagendach ein - die grossen 8 Liter Kaliber.
Die Insekten – klein, heiss, durstig
Insekten regulieren ihre Körpertemperatur kaum selbst – sie sind auf ihre Umgebung angewiesen. Wildbienen suchen in der Hitze kühle Nistplätze, Schmetterlinge halten im Schatten inne, Hummeln geraten in Stress, wenn sie zu lange fliegen ohne trinken zu können.
Und selbst die fleissigste Hummel hat ihre Grenzen. Wer schon mal eine Hummel beobachtet hat, die sich tief in eine Blüte kuschelt und einfach... liegen bleibt, hat keine kranke oder sterbende Hummel vor sich – sondern eine, die schlicht eine Pause braucht. Hummeln schlafen tatsächlich in Blüten, tanken dort Nektar und Kräfte gleichzeitig, und fliegen dann gestärkt weiter. In der Hitze passiert das häufiger als sonst. Also: einfach in Ruhe lassen und staunen.
Viele Insekten trinken aktiv Wasser.
Schmetterlinge saugen es aus feuchtem Sand oder flachen Pfützen. Wildbienen brauchen Wasser für ihre Brutzellen – sie mischen es mit Erde oder Pflanzenmaterial. Ohne Wasser: kein Bau, keine Brut.

Das ist der Moment, wo meine Insektentränken ins Spiel kommen. Eine flache Wasserstelle mit ein paar Steinen oder Kieselsteinen darin – damit die kleinen Kerle nicht ertrinken – kann in einer Hitzewelle buchstäblich Leben retten. Ich stelle meine Keramik-Tränken an mehreren Orten im Garten auf, weil verschiedene Insekten verschiedene "Trinkstationen" bevorzugen: Im Halbschatten für die Schmetterlinge, sonnennah für die wärmeliebenden Wildbienen.
Wichtig beim Nachfüllen: Täglich frisch! Stehendes warmes Wasser ist eine Brutstätte für Mückenlarven – und für Insekten alles andere als einladend.
Die Vögel – unterschätzte Hitze-Opfer
Vögel haben keine Schweissdrüsen. Sie kühlen sich ab, indem sie hecheln (ja, wie Hunde) und ihre Federn aufplustern, um Luft zirkulieren zu lassen. Trotzdem können besonders Jungvögel und brütende Altvögel in Hitzewellen in echte Not geraten.
Was Vögel in der Hitze brauchen: Wasser – zum Trinken und zum Baden. Ein Vogelbad ist in einer Hitzewelle keine dekorative Nettigkeit, sondern ein echter Lebensretter. Vögel reinigen ihr Gefieder durch Baden – und nur ein sauberes Gefieder isoliert und kühlt richtig. Schmutzige Federn kleben zusammen und wärmen zu viel. Trotz der Hitze und dem Wasserbedarf, geniessen auch einige Vögel ein Sandbad - sofern es nicht im sonnigsten Eck im Garten steht, wird es sogar durch den Tag genutzt.
Vogelbäder aus Keramik haben den Vorteil, dass Keramik das Wasser kühler hält als Plastik-Alternativen – ähnlich wie ein Tontopf im Keller. Ton ist porös und gibt durch minimale Verdunstung Kühle ab. Auch hier gilt: täglich frisch füllen und die Schale ab und zu reinigen, damit sich keine Algen bilden.
Beobachtungstipp: Wenn ihr eine Amsel mittags mit offenem Schnabel im Schatten hockt und kaum reagiert – das ist Hitzestress, kein Schläfchen. In so einem Fall bitte eine flache Wasserschale ganz nahe hinstellen und Abstand halten. Kein Aufheben, kein gut gemeintes Anfassen. Ruhe ist das Wichtigste.
Der Igel - das Tier des Jahres 2026

Igel sind Nachtschwärmer und graben sich tagsüber tief ins Laub oder unter Büsche. Aber auch sie leiden, wenn ihre Futtertiere – Regenwürmer, Käfer, Schnecken – sich bei Hitze in tiefere Bodenschichten zurückziehen. Trockener Boden bedeutet: kein Wurm in Griffweite.
Was man tun kann
Frisches Wasser in einer flachen Schale anbieten – das ist das Wichtigste. Wer unbedingt etwas zufüttern möchte: hochwertiges, getreidefreies Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil ist die beste Wahl. Mehlwürmer klingen verlockend natürlich, sind aber mit Vorsicht zu geniessen – ihr ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis kann bei regelmässiger Fütterung ernsthaft schaden, weil Igel sie gerne aus allem herausklauben und dann einseitig fressen. Wenn überhaupt, dann nur als seltenes Leckerli und nie als Hauptgang.
Feuchte Stellen im Garten erhalten – einen schattigen Bereich ab und zu feucht halten, damit die Bodentierchen nicht verschwinden.
Laubhaufen, Totholz, Benjeshecke anbieten und wilde Ecken zulassen – das ist der Kühlschrank des Igels.
Amphibien – die stillen Leidtragenden

Kröten, Frösche und Molche sind Feuchtigkeitstiere durch und durch. In Hitzewellen vergraben sie sich in feuchte Erdlöcher oder verstecken sich unter Steinen – und warten. Sie fressen kaum, bewegen sich kaum. Es ist eine Art Sommer-Torpor, ein Miniatur-Sommerschlaf.
Wer einen Teich hat: Bitte unbedingt den Wasserstand kontrollieren! Kleingewässer können in einer langen Hitzephase erschreckend schnell kippen – zu wenig Sauerstoff, zu warm, zu viele Algen. Eine Pumpe oder ein kleines Belüftungsgerät kann helfen. Genauso wie die richtige Pflanzenwahl für den Teich.
Wer keinen Teich hat: Eine feuchte, schattige Ecke mit einem Steinhaufen darüber ist das Paradies für Erdkröten. Und ja, das ist auch für euch ein Gewinn – Kröten fressen Schnecken – auch wenn die Hitze kein Klima für Schnecken ist, irgendwann kommt der Regen wieder ;-)
Die Zauneidechse – endlich Saison!
Während die halbe Garten-WG im Schatten leidet, gibt es eine Bewohnerin, die gerade richtig aufblüht: die Zauneidechse. Eidechsen sind wechselwarm – das bedeutet, ihre Körpertemperatur hängt direkt von der Umgebung ab.
Sonne ist für sie kein Stress, sondern Betriebstemperatur. Erst wenn sie richtig aufgewärmt sind, sind sie überhaupt handlungsfähig – für die Jagd, für die Fortpflanzung, für alles. Ein flacher Stein in der Sonne ist für sie das, was für mich ein Kaffee am Morgen ist: ohne geht gar nichts.
Sie brauchen Steinhaufen und Trockenmauern als Sonnenterrasse und Versteck gleichzeitig, offene sandige Stellen zum Eierlegen und – ganz wichtig – Ruhe. Eidechsen sind scheu und blitzschnell weg. Wer das Glück hat, eine im Garten zu haben, hat gewonnen: Sie fressen Insekten, Spinnen und kleine Schnecken und sind damit nützlicher als so manches Gartentool. Wir haben richtig neugierige Eidechsen.
Während wir in der Hitze schuften und schwitzen, schauen uns diese beim gemütlichen sonnen amüsiert zu, halten den Kopf schräg und denken "Was für Dramaqueens, wegen dem bisschen Sonne".

Die Blindschleiche – die verkannte Schönheit
Wer ihr zum ersten Mal begegnet, macht meist einen grossen Schritt rückwärts. Schlange! Aber nein – die Blindschleiche ist eine Eidechse, der im Laufe der Evolution einfach die Beine abhanden gekommen sind. Und sie ist absolut harmlos.
Wie die Zauneidechse liebt sie Wärme – aber nicht die pralle Mittagssonne. Sie bevorzugt es eher warm-feucht: unter Steinen, Holzhaufen oder im Kompost, wo sie tagsüber Schutz findet und nachts auf Jagd nach Nacktschnecken, Regenwürmern und Insektenlarven geht. Wer eine Blindschleiche im Garten hat, hat die vielleicht effektivste Schneckenbekämpfung die es gibt.
In der Hitze zieht sie sich tief in feuchte Verstecke zurück und wartet. Steine und Totholz liegen lassen lohnt sich also gleich doppelt.
Was wir jetzt tun – und was wir besser lassen
Tun
Morgens früh und abends giessen (tief, nicht oberflächlich)
Mulchen – überall, wo's geht
Wasserstellen auffüllen (Vogelbad, Insektentränke, Igelschälchen)
Töpfe in Halbschatten stellen
Schattige Ecken und feuchte Nischen im Garten schützen
Lassen
Mittagsstunden für grosse Gartenarbeiten nutzen
Tief hacken oder Boden umgraben – das zerstört das Bodenleben und lässt Feuchtigkeit entweichen
Düngen bei Hitze: gestresste Pflanzen nehmen keinen Dünger auf, die Wurzeln könnten verbrennen
Gut gemeinten Aktionismus bei hitzegeplagten Tieren – Ruhe ist oft das Beste, was wir ihnen geben können
Mein persönliches Hitze-Fazit
Ich habe im Garten Steinhaufen im Schatten, Halbschatten und an einem sonnigen Eck gestapelt. So haben die Tiere die Wahl. Es gibt einen kleinen Tümpel (rundes Becken im Boden eingelassen), ein niedriges Holzfass mit Wasser und viel Grün drin und zahlreiche Insektentränken, verteilt durch den Garten. Was die Verfügbarkeit an Würmern und Käfern betrifft so ist unser Kompost eine beliebte Anlaufstelle für die entsprechenden Gartenbewohner. Und weil es mir einfach schlicht zu heiss ist, haben wir ein Schattierungsnetz aufgehängt, welches den Teich um den Mittag in sanften Schatten taucht, damit sich das Becken nicht in einen "Hot Tub" verwandelt.
Ich stehe morgens früher auf als mir lieb ist, weil die Giesskanne ruft. Ich schaue abends nochmals raus, ob die Insektentränken und der kleine Teich noch Wasser haben. Ich flüstere den hängenden Pflanzen aufmunternde Worte zu und wundere mich immer wieder aufs Neue, wie die Natur sich selbst zu helfen weiss, wenn man ihr ein bisschen Raum lässt.
Einzelne heisse Tage – kein Problem – die Natur kennt das, sie hat ihre Tricks, und wir unsere Giesskanne. Aber zwei Wochen Dauerhitze, wie wir sie gerade erleben? Das ist eine andere Hausnummer. Da geraten auch robuste Systeme unter Druck – im Boden, bei den Tieren, in uns.
Was mich dabei beschäftigt, geht über das tägliche Wasserschleppen hinaus. Versiegelte Böden speichern keine Feuchtigkeit, sie heizen sich auf und geben die Wärme zurück – an die Luft, an die Umgebung, an uns. Kurzgeschnittene "Golfrasen", die mit dem Rasensprenger dauergegossen werden müssen oder sonst verdorren und als trostloses Braun die Hitze den Boden malträtieren lassen, kahle Flächen ohne viel Schatten und Struktur, verschärfen die Situation zusätzlich.
Ein naturnaher Garten mit offenen Bodenflächen, Mulch, tief wurzelnden Pflanzen und kluger Bepflanzung kann lokal tatsächlich ein eigenes Mikroklima schaffen – ein paar Grad kühler, feuchter, lebendiger. Das ist kein Zaubertrick, das ist Physik und Biologie Hand in Hand.
Aber das wird ja vielleicht auch mal noch Thema eines weiteren Blogbeitrages werden ;-) Dazu zu sagen gäbe es viel.



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