Frühlingserwachen im Zaubergärtli: Vom Kribbeln im Daumen und dem Mut zur Pause
- baloulaleica

- 13. Feb.
- 5 Min. Lesezeit

Die ersten warmen Sonnenstrahlen kitzeln den Boden wach, die Luft riecht nach Aufbruch und Neubeginn – und schon ist es da: dieses unwiderstehliche Kribbeln im grünen Daumen.
Die Gartenschere liegt verlockend bereit, die Beete rufen nach Aufräumen, und überhaupt könnte man doch jetzt schon so vielen tun. Doch genau hier, an dieser Schwelle zum Frühling, halte ich dieses Jahr kurz inne - und weil ich vom Umzug noch so auf dem Zahnfleisch gehe;-).
So sehr ich mich nach dem "Loslegen" sehe, weiss ich auch: Mein neues Zaubergärtli ist gerade jetzt eine wichtige Kinderstube und Vorratskammer. Wir befinden uns im grossen "Umschaltmoment" der Natur – und der ist so zerbrechlich.
Wer macht wann was? Die Garten-Überwinterer-Übersicht
Zahlreiche Gartenbewohner sind gerade am Aufwachen oder kehren aus dem Süden zurück. Ich habe eine kurze Liste zusammengestellt, die einen Überblick über die Garten-WG gibt, welche den Winter durch "Pause" macht. Es ist faszinierend, wie viel Leben in einer scheinbar "ruhenden" Ecke steckt.
Die Übersicht zeigt, was die Tiere nach dem Aufwachen am dringendsten benötigen. Ich bin so gespannt, wen ich im Frühling im Gartenjahr begrüssen kann und welche Gartenbewohner, die ich im alten Garten hatte ich schmerzlich vermissen werde.
Tier | Winterquartier | Aktiv ab (Monat) | Was sie jetzt brauchen |
Igel (Tier des Jahres 2026) | Laubhaufen, Reisighaufen, Kompost, unter Hecken | März - April | Ruhe, Wasser, Insekten, Durchgänge im Zaun |
Hummeljungkönigin | Erdlöcher, Mauerspalten, Totholz | Ab Februar/März | Frühblüher (Nektar!), geschützte Nistplätze |
Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Kleiner Fuchs | Schuppen, Keller, Dachböden, Holzstapel | März - April | Frühblüher, ungestörte Ruheplätze, Schutz vor kaltem Wind |
Marienkäfer | Rindenspalten, Mauerritzen, Totholz | März - April | Blattläuse, ungestörte Überwinterungsquartiere |
Erdkröte, Grasfrosch | Laubhaufen, Erdlöcher, unter Steinen | Februar - März | Zugang zu Gewässern, feuchte Verstecke |
Bergmolch | Laubhaufen, Erdlöcher, unter Steinen und zwischen Wurzeln | Februar - März | Zugang zu Laichgewässern, feuchte Verstecke |
Blindschleiche | Komposthaufen, unter Steinen, in Erdlöchern | März - April | Sonnige Plätze zum Aufwärmen, Verstecke (Steine, Totholz), Insekten |
Laufkäfer | Unter Laub, Steinen, Rindenstücken, Totholz | März - April | Ungestörte Bodenbereiche, Totholz, Steine, keine Bodenbearbeitung |
Fledermaus | Baumhöhlen, Dachstühle, Keller, Spalten | März - April | Nachtaktive Insekten, ungestörte Quartiere, keine Netze im Garten |
Wildbienen | Totholz, Pflanzenstängel, Erdlöcher | März - April | Frühblüher, unberührte Bodenstellen und markhaltige Stängel, Lehm/Sand |
Das Dilemma: Warum Geduld ein Akt des Naturschutzes ist
Willkommen im klassischen Dilemma des naturnahen Gärtnerns: Unser Tatendrang will Ordnung, aber die Tierwelt braucht das Chaos. Wie bringen wir unseren Tatendrang unter einen Hut mit dem, was Vögel, Insekten und andere Gartenbewohner jetzt wirklich brauchen?
Der Frühling ist für die Tierwelt, wie bereits erwähnt, eine sensible Phase. Vögel sind auf der Suche nach Nistmöglichkeiten – und genau die Hecke, die wir gerne "nur schnell" in Form bringen wollen, könnte bereits das auserwählte Zuhause für eine Amsel-Familie sein. In der Schweiz gilt ab März nicht umsonst ein Schnittverbot für Hecken (bis September). Es ist ein gesetzlicher Schutz für eine Zeit, in der jeder Rückschnitt ein Nest zerstören könnte.
Samenstände, die den Winter überstanden haben und jetzt langsam unansehnlich werden? Für Finken, Stieglitze und andere Samenfresser sind sie nach wie vor eine wichtige Nahrungsquelle, pure Energie und meist die letzte Rettung, bis die Natur neues Futter liefert – erst wenn frisches Grün und neue Samen verfügbar sind, können wir bedenkenlos aufräumen.
Und dann sind da noch die Überwinterer wie Schmetterlinge, die im Gartenschuppen oder unterm Dachvorsprung die kalte Jahreszeit verschlafen haben, Marienkäfer in Mauerritzen, Igel unter Laubhaufen. Sie alle brauchen jetzt Ruhe – und zwar noch ein bisschen länger, als unser Tatendrang es gerne hätte.
Und unter der Erdoberfläche? Da schlafen noch die Larven der Wildbienen und nützliche Laufkäfer. Jedes Mal, wenn wir den Boden zu früh und zu tief bearbeiten, zerstören wir dieses mikroskopische Universum. Ich setze deshalb lieber auf die Kraft der Pflanzen statt auf die Hacke: Ich lasse dieses Jahr die Wurzeln der Süsslupine den Boden für mich auflockern – ganz sanft, biologisch und ohne schlafende Bewohner zu stören.. So bleibt das Mikroklima im Boden erhalten, während wir oben schon die ersten Sonnenstrahlen geniessen.
Meine kleine Checkliste für den sanften Start
Bevor du jetzt frustriert die Gartenschere in die Ecke pfefferst – es gibt durchaus schon einiges zu tun ;-)
✓ Frühblüher geniessen und beobachten
Krokusse, Blausternchen und Weidenkätzchen sind für mich nicht nur Deko – sie sind die Tankstellen für Hummelköniginnen, die jetzt ganz allein ihren Staat gründen müssen. und somit auch Lebensretter für die ersten Hummeljungköniginnen und Wildbienen. Wer zu wenig Frühblüher hat, kann jetzt mit Hilfe von Töpfen mit blühenden Pflanzen als "mobile Tankstellen" auf.
✓ Nistkästen kontrollieren und reinigen
Falls du das im Herbst verpasst hast: Jetzt ist die letzte Chance! Alte Nester raus, einmal durchlüften, fertig. Wichtig: Bis spätestens Mitte März erledigen, danach wird's kritisch.
✓ Die Fly-In-Station für den Nestbau Ich liebe es, alte Blumenampel-Gerüste mit Nistmaterial (wie Moos oder trockene Gräser) zu füllen. Meine Gartenvögel bedienen sich dort begeistert für ihre weich gepolsterten Nester.
✓ Vogeltränken und Wasserstellen einrichten
Auch wenn's noch kühl ist – Vögel brauchen jetzt frisches Wasser zum Trinken und für die Gefiederpflege. Eine flache Schale genügt (und ja, auch handmodellierte Keramik-Vogeltränken erfüllen diesen Zweck ganz wunderbar 😉).
✓ Gründüngung säen
Leere Beete kannst du jetzt mit Gründüngung wie Süsslupine (übrigens Powerfood des Jahres 2026) bestücken. Das verbessert den Boden, bietet Insekten Nahrung und sieht auch noch hübsch aus. Ich nutze sie als Gründüngung, weil sie Stickstoff im Boden bindet und ihn perfekt für den Sommer vorbereitet.
✓ Kompost umsetzen – aber bitte vorsichtig
Falls du deinen Kompost umschichten willst: Langsam und achtsam! Blindschleichen und Igel nutzen Komposthaufen gerne als Winterquartier. Also erst mal mit dem Rechen vorsichtig anklopfen und schauen, ob sich was regt.
✓ Winterschutz nur schrittweise entfernen
Vlies, Laub, Reisig – das kann noch ein Weilchen liegen bleiben. Vor allem nachts kann's im März noch empfindlich kalt werden, und viele Überwinterer sind noch nicht komplett wach.
Der Igel ist übrigens Tier des Jahres 2026

Passend zum Thema: Der Igel wurde zum Tier des Jahres 2026 gekürt – und das aus gutem Grund. Die stacheligen Gesellen haben es in unseren aufgeräumten Gärten immer schwerer.
Ab März erwachen sie langsam aus dem Winterschlaf – hungrig, durstig und auf der Suche nach Unterschlupf für den Tag und Nahrung für die Nacht.
Wie wir ihnen den Igeln den Start erleichtern können und was sie jetzt brauchen:
✓ Ruhe: Lass Laubhaufen, Totholz und wilde Ecken noch liegen.
✓ Wasser: Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft enorm.
✓ Durchgänge: Igel wandern nachts umher – ein kleines Loch im Zaun (13 x 13 cm reicht) ermöglicht ihnen, von Garten zu Garten zu ziehen.
✓ Nahrung: Keine Milch, kein Brot! Igel sind Insektenfresser. Ein naturnaher Garten mit Käfern, Würmern, Raupen und anderen Insekten ist das beste Buffet.
Mein Fazit punkto Frühling im naturnahen Garten

Naturnahes Gärtnern im Frühling hat nichts mit Faulheit zu tun. Ganz im Gegenteil: Es ist eine bewusste Entscheidung für das Leben. Wir Gärtner:innen sind die Hüter:innen dieser kleinen Welten.
Wenn wir das Kribbeln in den Fingern nutzen, um Neues zu säen, statt nur Altes wegzuräumen, schenken wir unseren Tieren genau das, was sie zum Überleben brauchen: Zeit und Sicherheit.
Lass uns diesen Frühling gemeinsam etwas langsamer angehen. Die Natur wird es uns mit einem Summen, Brummen und Zwitschern danken, das schöner ist als jeder perfekt gefegte Gartenweg.
Möchtest du deine Garten-WG auch mit praktischen und schönen Unikaten unterstützen?



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